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Eine Münchener Kreuzung im Sommer, die Ampel ist rot. Kurt bleibt mit seinem Fahrrad stehen, nicht weil er ein gesetzestreuer Bürger ist, aber er kennt die Autofahrer hier, schließlich ist er die meiste Zeit selbst einer von ihnen. Von der gegenüberliegenden Seite fährt trotzdem einer weiter, weißes Hemd, rote Krawatte, Fahrradhelm. Folgender Dialog entspinnt sich:
»Du moanst a, weilst a Krawattn hast derfst bei rot nüberfahrn«
»Passt da was ned?«
»Kasperl«
Schon vorbeigefahren ruft der Schlipsträger über die Schulter:
»Geh hoit her, wenn da was ned passt.«
Das lässt sich Kurt nicht zweimal sagen, wendet, steigt von seinem Rad, das er in die Wiese neben dem Weg ablegt. Der Krawattenmensch hat ebenfalls gewendet und ist stehengeblieben. Ein kleines Handgemenge entsteht, aus dem der Schlipsträger mit blutiger Nase, schmutziger Hose und verbogener Brille hervorgeht, Kurt lediglich mit ein paar blauen Flecken.
»Nix für unguat, aber da hams erst unlängst einen zsammgfahrn, da bin i empfindlich.«
Der Schlipsträger steigt fluchend auf sein Rad auf und fährt ohne weiteres Federlesens weg. Ein paar Passanten lachen und schütteln den Kopf.


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