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Broder essayiert im Spiegel (gefunden bei Konstantin) zum Thema »Anti-Amerikanismus« und setzt sich damit in ein Boot mit all den anderen Farbenblinden. Es ist alles so schön einfach, die Linken sind links und verbohrt, die Deutschen genauso böse wie die Amerikaner und wer nicht für uns ist ist gegen uns. Hallo? Gehts noch?

Fang ich halt mal ganz klein an, z.B. bei mir: ich habe keinen Zweifel daran, dass es sich bei Saddam um einen Bösewicht handelt und richtig, es gehört ihm was erzählt wenn er nicht so spurt wie die UN das will. Ich hab aber überhaupt kein Verständnis dafür wenn der gegenwärtige Präsident des mächtigsten Staates der Welt von seinen innenpolitischen Unzulänglichkeiten (ganz zu schweigen von seiner Intelligenz) ablenken will indem er einen Angriffskrieg führen möchte.

Bush hat mit dem Terroranschlag vom 11.9.2001 ziemliches Glück gehabt, sonst wäre er wohl als eine der größten Nieten, die je das Weiße Haus bewohnt haben, in die Geschichte eingegangen. Und jetzt wo ihm langsam die Felle davonschwimmen, der "Krieg gegen den Terrorismus" sich nicht mehr als täglicher großer Aufhänger verkaufen läßt und damit die approval ratings (und wie immer gehts nur um die Quote) zu sinken drohen, braucht er eine neue Außenpolitische Maßnahme um sich zu profilieren.

Wer mir jetzt aufgrund dieser Meinung Anti-Amerikanismus vorwerfen will, der tut das auch zu geschätzten 35-60% der Amerikaner, dem ist also letztlich nicht zu helfen. Es gibt einfach mehr als nur schwarz oder weiß. Pro-Amerika oder Anti-Amerika ist nicht die Frage, denn es gibt unendliche Abstufungen zwischen den Extremen, aber Politiker und Medienschreiberlinge (meinen sie) müssen immer polarisieren.

Ich lebe in den USA und mir gefällt es hier immer noch recht gut, aber nicht aufgrund der Politik die in diesem Land praktiziert wird oder aufgrund der Medien. Es rennen hüben wie drüben zu viele Vollidioten rum, aber damit muß man sich wohl arrangieren.

Und noch eins an die Adresse von Broder:
»Sie [die Deutschen] haben keine Zeile von Walt Whitman gelesen und wissen nicht, was Henry David Thoreau "über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" geschrieben hat« - die Mehrheit der Amerikaner doch auch nicht, solche Vorwürfe sind doch zahnlos. Ich habe Whitman und Thoreau gelesen, bin aber auch nur ein dummer Deutscher in Amerika.

(von mir gibts keinen Link zum Boulevard Spiegel, da kann ich ja gleich zur Bunten linken).


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