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Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Film »The Burbs«? Spielt in dieser typisch amerikanischen suburbanen Wohngegend? Die Geschichte ist natürlich Hollywoodquatsch, aber Ort und Geisteszustand der Bewohner sind ziemlich echt, wie ich in den letzten Wochen erfahren durfte.
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Für ein paar Wochen hütete ich ein Haus in einer nordkalifornischen Kleinstadt, in einer Gegend, die als Kulisse für den oben genannten Film dienen könnte, oder auch für jeden anderen Film, in dem die anfängliche Idylle in blanken Horror umschlägt. Wie in fast allen Städten an der Westküste sind die Wohnviertel (»residential areas«) und Einkaufsviertel (»commercial areas«) ordentlich von einander getrennt, was zur Folge hat, dass man sogar mit dem Auto fahren muss, wenn man nur mal eben zum Bäcker oder eine Zeitung kaufen will. Die Häuser selbst sind meist um Sackgassen (cul-de-sac) verteilt, was aus der Luft ziemlich albern aussieht, und haben ungefähr zwei mal mehr gepflegten Rasen im Vorgarten als Nutzfläche hinter dem Haus - es ist wichtig zu repräsentieren.
Hier in der Straße wohnen 12 Familien, 9 haben die Stars and Stripes neben der Eingangstür hängen, 10 fahren einen SUV oder Pickup Truck (manche einen 3er BMW als Zweitwagen), 2 haben ein Boot samt Anhänger vor der Garage stehen, durchschnittlich haben sie 2.1 Kinder und bis auf die neu zugezogenen Inder am Ende der Straße sind alles Weiße. Die Briefkästen sind einheitlich wie Vogelhäuschen verkleidet. Zwischen 19 und 20 Uhr gehen die Rasensprenger an und Donnerstags stellen alle die Mülltonnen raus und zwar im vorgeschriebenen Abstand! Man kennt sich vom Sehen, winkt und lächelt wenn man in die Garage fährt...
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Man muss das erst am eigenen Leib erfahren um sich die Trostlosigkeit vorstellen zu können, würde ich dort leben, wäre ich nach 8 Wochen wohl Alkoholiker oder auf gemütsaufhellenden Drogen, oder vielleicht auch ein angepasster Nachbar, das soll ja ansteckend sein.


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